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10-Bit Fotobearbeitungsworkflow


Einleitung

„Genug ist zu wenig, oder es wird so wie es war“ – ein Auszug aus dem Song „Bleibt alles anders“ von H.Grönemeyer.

Also warum nur mit 8-Bit pro Kanal Farbtiefe arbeiten, wenn es heutzutage die Möglichkeit gibt, dies auch mit 10-Bit zu tun 😉

Ein Satz noch zur Erklärung. Bei 8-Bit bzw. 10-Bit spricht man immer von einem Kanal. RGB besteht aus drei Kanälen R-G-B, also sind dies bei 8-Bit = 3×8 = 24-Bit und 10-Bit = 3 x 10 = 30-Bit ;-). Deshalb wird auch oft  von einem 30-Bit Workflow gesprochen.

Für wen dies nun notwendig ist, muss jeder selbst für sich entscheiden. Ich will hier nur aufzeigen, mit welchen Mitteln es möglich ist und auch nicht auf jedes Detail (wie Farb-Management, Farbräume, Look-up-table, Kalibrierung, ICC Profile…) eingehen. Das würde hier den Rahmen bei weitem sprengen und dazu gibt es ja genügend Experten im Netz mit ihren eigen Publikationen zu den jeweiligen Themen.

Hier vorab nun ein Schaubild um darin aufzuzeigen, welche Voraussetzungen alle gegeben sein müssen, um überhaupt einen 10-Bit Workflow zu realisieren. Nur ein entsprechender Monitor reicht leider nicht aus. Des weiteren ist die Kalibrierung kein Muss, aber wenn man sich auf diesem Niveau bewegt, sollte sein Monítor schon kalibriert/profiliert sein.
Die aufgeführten Produkte sind als Anhaltspunkte zu verstehen und sind nur beispielhaft. Die grün hinterlegten Objekte entsprechen meiner Konfiguration bzw. Ausstattung.

30Bit-Workflow

Worin liegt überhaupt der Unterschied?

Bei der herkömmlichen 8-Bit erhalte ich pro Kanal 256 Helligkeitsstufen. Bei 10-Bit sind dies dann schon 1.024 Helligkeitsstufen pro Kanal.

Grafikkarten liefern also insgesamt (RGB = 3 Kanäle) im 8-Bit Modus 16,77 Mio. und im 10-Bit Modus 1,07 Milliarden Farbabstufungen!

Wahrscheinlich meinen jetzt die meisten das die 8-Bit Verarbeitung völlig ausreichend ist.

Jein.

Man darf und sollte hierbei nicht vergessen, dass z.B. durch eine Softwarekalibrierung seines Monitors es schon zu Verlusten von Tonwerten (Stichwort: Look-up-table) führen kann. Auch  bei einer trivialen Tonwertkorrektur in Photoshop können sehr schnell Tonwertabrisse entstehen (schaut euch mal das nachstehende Histogramm an). Aus diesen Gründen ist man über jede Reserve, sprich „zusätzliche“ Helligkeitsstufe, dankbar.
8-Bit
Unbenannt-4

10-Bit
Unbenannt-4

Im Histogramm, beide Fotos mit einer identischen Tonwertkorrekturebene, sieht man nun deutlich die Tonwertabrisse bei einer 8-Bit Verarbeitung.

8-10-tonwert

Um nun in einen solchen „Genuss“ zu kommen, müssen einige hardware- wie softwareseitige  Voraussetzungen erfüllt sein.

Hardware

Grafikkarte: Es wird eine professionelle Karte benötigt, z.B. eine aus der Quadro Serie von Nvidia. Hier erhält man schon mit der „kleinsten“ K420 (Wichtig: die 2 GB RAM Variante nehmen) sehr gute und performante Ergebnisse. Diese Karte liegt preislich um die 130€.

nvidia

In der Nvidia Systemsteuerung muss die Ausgabe Farbtiefe auf 10bpc eingestellt werden.

Verbindung: Grafikkarte mit einem DisplayPort ab V1.2 oder HDMI ab V1.3 Kabel zu einem 10-Bit fähigem Monitor verbinden

Monitor: Eizo ist einer der führenden und erfahrensten Monitorhersteller, welche ihre Monitore anwendungsspezifisch entwickeln. Die CS (Einsteiger) Serie erfüllt die Vorgaben einer 10-Bit Signalverarbeitung und sind zudem noch hardwarekalibriert. Der 27″ CS270 kostet UVP 1.099€.

Software

Betriebssystem: 10-Bit Unterstützung gibt es bei Microsoft Windows schon seit 2009 mit Windows 7. Apple hat es 10/2015 mit der Version 10.11 auch geschafft 😉

Bildbearbeitungssoftware: Adobe Photoshop ab CS6 bzw. Lightroom ab Version 6 beherrschen die 10-Bit Verarbeitung. Natürlich müssen die Bilder im RAW Format vorliegen und im RAW Konverter im 16-Bit Modus an PS übergeben werden 😉

PS_Einstell

In PS muss die Option „30-Bit Anzeige“ unter Voreinstellungen…Leistung…Grafikprozessor-Einstellungen…Erweiterte Einstellungen aktiviert sein.

 

 

 

 

 

Ich hoffe ich konnte mit meinen kleinen Einblick weiterhelfen und einem 10-Bit Workflow sollte nichts mehr im Wege stehen 🙂

 

Ein Kommentar auf “10-Bit Fotobearbeitungsworkflow”

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich bin gerade darübergestolpert bei der Frage, ob Lightroom ab Version 6 unter Windows _wirklich_ 10 Bit supported. Ich plane den Kauf einer 10Bit-Fähigen GraKa und entsprechendem Screen – aber eben nur, wenn ich vorher weiß ob LR das auch unterstützt und ich finde im Netz widersprüchliche Angaben: Während dieser Blogpost besagt, dass es funktionieren würde, habe ich andere Beiträge gelesen, dass zwar Photoshop, nicht aber Lightroom 6 einen 10Bit-Workflow erlauben würde.

    Tatsächlich habe ich in LR auch keine weiteren Einstellmöglichkeiten im Dialogfeld für die Hardwarebeschleunigung/-Unterstützung.

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